Pianist Peter Bence im Interview: «Köche sind meine Vorbilder»

 

 Mit zwei Jahren wagte er die ersten Versuche auf dem Klavier, mit sieben schrieb Peter Bence seinen ersten Song. Und mit 26 ist der Ungare heute der schnellste Pianist der Welt und ein YouTube-Star. Trotzdem bleibt der Wahl-Amerikaner auf dem Boden.

 

Peter Bence, Sie sind mit Covers von berühmten Songs bekannt geworden. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Musik von anderen Künstlern neu zu interpretieren?

Schon während meiner Zeit am Berklee College of Music in Boston spielte ich die Soundtracks meiner Lieblingsfilme nach. Aber wirklich ausschlaggebend für meine Covers berühmter Songs auf YouTube war der Tod von Michael Jackson. Nachdem er starb, schaute ich tonnenweise Musikvideos, Interviews und Konzerte von ihm. Ich war hin und weg und wurde ein grosser Fan. Seine Musik ist so nahe an meinem Geschmack, dass ich dachte, ich könnte eigentlich seine Songs interpretieren.

 

Das haben Sie offenbar geschafft. Was denken Sie: Warum schauen Millionen von Leuten Ihre Videos auf YouTube?

Ich gebe bereits beim Arrangieren der Songs 100 Prozent und baue viel Originalmaterial, wie zum Beispiel ein Solo, ein. Das andere ist, dass ich bei meiner Performance meine ganze Energie investiere.

 

Nach welchen Kriterien suchen Sie sich Ihre Songs aus?

Das Wichtigste ist, dass ich den Song wirklich liebe. Das Zweitwichtigste ist, dass sich das Stück gut fürs Klavier umsetzen lässt. Nicht jeder Song eignet sich.

 

Warum nicht?

Es hängt vom Rhythmus, der Melodie oder den Akkorden ab, ob es möglich oder unmöglich ist, ein Lied fürs Piano zu arrangieren. Ich habe es mit «Uptown Funk» von Bruno Mars probiert. Aber egal, wie man es versucht: Das Arrangement wird einfach scheisse auf dem Klavier. Trotzdem ein toller Song. Das Feeling muss stimmen. Auch sehr repetitive Melodien gehen gar nicht. Das tönt dann einfach langweilig und doof.

 

Sie haben eine gute Balance zwischen Klassik und Pop gefunden. Welcher Stil ist für Sie wichtiger und warum?

Beide Stile hatten einen Einfluss auf mein Leben. Als ich sieben Jahre alt war, existierte für mich nur die klassische Musik und später studierte ich auch diesen Stil. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ich jemals etwas Anderes hören oder spielen würde. Heute höre ich kaum mehr klassische Musik. Ich spiele auch keine Klassik mehr, weil ich glaube, dass dies ein Job ist, den ich lieber den Leuten überlasse, die das besser können als ich. Warum sollte ich klassische Musik spielen, wenn ich nicht herausragend sein kann?

 

Herausragend ist aber Ihre Schnelligkeit. Wie kam es dazu, dass Sie laut Guinness Buch der Rekorde der schnellste Pianist der Welt sind?

Im Musikunterricht war ich für meine Lehrer ein nerviger Student. Ich wollte die klassischen Stücke schneller spielen als sie eigentlich gedacht waren. Für mich war es ein Wettbewerb mit den anderen Klavierstudenten. Und dann war da dieser Pianist, der als schnellster der Welt galt. Mein Klavierlehrer meinte, ich solle die Herausforderung annehmen. So kam es, dass ich es ins Guinness Buch der Rekorde schaffte – mit 765 Anschlägen pro Minute.

 

Was glauben Sie: Können Sie oder jemand anderes diesen Rekord noch toppen?

Ich kann definitiv noch schneller werden. In einer Probe hab ich einmal sogar über 900 Anschläge geschafft.

 

Sie waren ja ein Wunderkind. Im Alter von zwei Jahren haben Sie bereits Filmmusik auf dem Klavier nachgespielt, mit sieben haben Sie den ersten Song geschrieben. Wie kam es dazu?

Im Haus meiner Grosseltern stand ein Klavier. Als ich klein war, verbrachte ich viel Zeit dort. Ich konnte zwar kaum laufen, aber am Piano sitzen schon. Damals zwang ich immer meinen Vater dazu, dass er sich ans Klavier setzt und ich auf seinem Schoss sitzen darf. Schon früh war klar, dass ich ein sehr gutes Gehör habe. Wegen meinem Talent ging ich zur Musikschule. So fing es an – und ich habe einfach nie mehr mit dem Klavierspielen aufgehört.

 

Wer sind Ihre Vorbilder?

Zum Beispiel die Filmmusik-Komponisten John Williams und Hans Zimmer. Im klassischen Bereich sind es Mozart und Bach. Es ist interessant: Ich habe keine Idole, wenn es ums Klavierspielen geht. Meine Performance ist von Künstlern inspiriert, die keine Pianisten sind. Sogar Köche können meine Vorbilder sein. Wie der Küchenchef Raymond Blanc. Die Leidenschaft ist ausschlaggebend. Ich sehe immer wieder Parallelen zwischen der Liebe dafür, Essen zuzubereiten und der Liebe, Musik zu machen.

 

Auf Ihrem nächsten Album finden sich auch Eigenkompositionen. Handelt es sich dabei also ausschliesslich um Popsongs?

Ich kann kein Genre definieren. Der Albumtitel lautet «The Awesome Piano», weil ich zeige, was mit dem Klavier alles möglich ist. Ich bediene nicht nur die Tasten, sondern setze es auch für Perkussion ein oder zupfe an den Saiten. Am Schluss tönt es so, als würde ein ganzes Orchester mitspielen. Es ist Easy-Listening-Popmusik. Die eine Hälfte der Platte besteht aus Eigenkompositionen, die andere aus Coversongs, wie zum Beispiel «Despacito» von Luis Fonsi ft. Daddy Yankee.

 

Haben Sie schon mal daran gedacht, mit einer ganzen Band aufzutreten statt nur alleine am Klavier?

Ich trat schon mal mit einem Symphonieorchester auf. Das wird sicher wieder einmal stattfinden. Auf dieser Tour sind es nur mein Klavier und ich. Ich bin offen für verschiedene Kooperation, aber ich möchte keine permanente Band gründen.

 

Im Februar spielen Sie in Zürich. Was kann das Publikum erwarten?

Ich bringe definitiv die Coversongs mit, die jeder vom Internet her kennt. Schliesslich haben mich die meisten Fans so kennengelernt. Das ist der wichtigste Teil meines Repertoires. Aber ich werde auch Eigenkompositionen spielen. Songs des Albums, die noch nie jemand live gehört hat.

 

Auf was freuen Sie sich bei Ihrem Besuch in der Schweiz?

Ich möchte ein paar schöne Bilder von den Bergen machen. Aber Skifahren gehe ich auf keinen Fall. Ich hasse es. Es macht mir einfach Angst. Ich mag das gute Essen in der Schweiz. Das ist für mich das Wichtigste.

 

Sie haben schon viel erreicht. Was ist Ihr grösster Traum?

Ich glaube, es geht nicht darum, dieses eine Ding zu erreichen. Das ist nicht gesund. Es ist gut, hohe Ziele zu haben, aber ich glaube, wenn du einen grossen Traum hast und du erreichst ihn nicht, bist du ziemlich enttäuscht. Für mich ist wichtiger, mich darauf zu fokussieren, was ich im Moment mache und das zu geniessen. Dann wird mich das zu den richtigen Orten führen.

 

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Das Interview führte Benedikt Lachenmeier. Weiterverbreitung und Abdruck honororarfrei. Belegexemplare erbeten. 

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